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Category: Kunst - Schöne Literatur
Editor: Eugen Diederichs
Pages: 44
Location: Jena
Year: 1919
N° catalog: D0187

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Written by Super User

Man hat gesagt, es gebe zwei Gebiete, auf denen der deutsche Geis im höchsten menschheitlichen Sinne schöpferisch sei, die er gleichsam aus sich selbst herausstelle, ohne jeden fremden Einfluß und allen übrigen Völ kern zur Leuchte: die deutsche Musik und die deutsche Philosophie. Wir pflichten dem mit berechtigtem Stolze bei, aber ohne Chauvinismus, ohne uns zu schämen, daß gerade dieser weltumspannende Geist auf anderen Gebieten an deren Völkern Großes verdankt, wie etwa in der Malerei den Franzosen, und wir wagen zugleich die Behauptung, daß uns noch ein drittes Gebiet, jenen beiden sieh anreihend und ebenbhrtig, erst vorbehalten ist: das deutsche Theater.
Diese Behauptung verpflichtet - uns, die wir sie wagen, und alle jene, die sie offenen Ohres hören. Das Ausland hat uns als barbaren verschrien. Ein solches Wort der ganzen Welt kommt trotz seiner lächerlichen und schmähsüchtigen Ungerechtigkeit nicht ganz von ungefähr; wir sind nicht der Welt die Antwort auf dieses Wort schuldig, aber uns selbst. Erstens druckt es das Dionysische in uns aus, das den apollinischen Kulturen des Westens und den übrigen ebenfalls westlich orientierten durchaus fürchterlich ist, und zweitens deutet es ungewollt an, daß wir noch nicht erreicht haben, was wir erreichen können denn Barbaren sind Menschen, die ihre Zukunft, ihre Kulturmission noch vor sieh haben, wofern pie überhaupt einer eigenen Kultur fähig sind. Daß wir dies sind, brauchen wir sowenig zu beweisen und zu verteidigen wie diese unsere Kultur selber. Ein Angriff auf sie trifft uns nicht, unsere große Vergangenheit gehört der Geschichte an. ...

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