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Category: Freimaurereiallgemein - Allgemeines und Geschichte
Editor: Freimaurerloge Libertas et Fraternitas
Pages: 86
Year: 2000
N° catalog: D0266
Note: Übersetztung von Marchev, Robin P. Nur für Brüder Freimaurer-Meister!

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Written by Super User

Vorwort des Übersetzers
Die wichtigste Verräterschrift aus der Gründungszeit der ersten Londoner Grossloge ist in verschiedenen deutschen Uberse von unterschiedlicher Qualität herausgegeben worden. Diese sind aber alle längst vergriffen. Nach langem Suchen fand ich schliesslich in Amerika eine Faksimile-Ausgabe, die ich meinen BBrn..in verständlicherer Sprache zugänglich machen möchte. Der Originaltext wurde ohne jede ortho graphische Veränderung abgeschrieben.


Das Pamphlet erschien sieben Jahre nach den Konstitutionen von Anderson innerhalb von zwei Wochen in drei Auflagen. Das Motiv war die Verärgerung eines Maurers, dem statt der versprochenen "Geheimnisse“, von denen schon damals die Rede war, nur Kosten zufielen, welche in seinen Augen unverhältnismässig waren. Das erregte natürlich einige Unruhe in den Kreisen der jungen Londoner Gross und man machte sich vorerst daran, einiges in den Ritualen zu ändern, damit man sagen könne, die Wirklichkeit entspreche nicht der Darstellung von Prichard. Zu den Anderungen gehörte unter anderem auch die Vertauschung der beiden Säulen. Später kehrte man zwar wieder auf das Ursprüngliche zurück, aber manches war bereits in der veränderten Form auf den Kontinent gelangt, und so kommt es, dass in vielen Logen die Säule (vorn Eingang her gesehen) links statt rechts steht.


Wir müssen aber für die Arbeit von Prichard dankbar sein, denn durch ihn erhalten wir Einsicht in manche Einzelheit der alten Rituale, und wir finden hier auch die älteste Fassung der Hiram-Legende. Manches, was wir heute unter BBrn:. hören und erleben, wird erst verständlich, wenn wir die Ursprünge kennen.


Man muss auch wissen, dass Meister-Maurer vorerst nur das Amt des Logenoberhauptes bedeutete, und dass alle Beamtungen geeigneten Gesellen anvertraut wurden. Erst seit etwa 1728 gibt es den 3. Grad eines Maurer-Meisters, und ein grosser Teil dessen, was wir heute für den esoterischen Kern unserer Symbolik halten, ist gar nicht so altehrwürdig und authentisch, sondern vielmehr ein Sammelsurium von späteren Zutaten aus verschiedensten Quellen.


Welches so wichtige Geheimnis die Brüder verschweigen mussten, kann uns Prichard nicht verraten, und da aus den ersten Jahren der Grossloge keine Protokolle existieren, werden wir es auch nie erfahren. Erstaunlich ist immerhin, dass in allen Veröffentlichungen des frühen 18. Jahrhun derts, ob sie nun von den Freimaurern selber oder von ihren Gegnern stammen, immer nur Katechismen und Erkennungszeichen als sogenanntes Geheimnis enthüllen. Besonders auffallend ist aber, dass auf alle empörten oder spöttischen Ausserungen zur Freimaurer-Geschichte keinerlei Entgegnung oder Rechtfertigung der Brüder bekannt ist.
 


Die „Zwei Briefe an einen Freund" erschienen 1724 im PLAIN DEALER und 1725, etwas ausfürlicher, als Anhang zur 2. Auflage von „The Grand Mystery of  Free-Masons Discovered". Diese Fassung, die auch im Anhang von Robert Freke Gould's sechsbändiger Freimaurergeschichte zu finden ist, wurde hier übernommen. Die Briefe sind aufschlussreich, weil sie zu Recht oder Unrecht das Logenleben aus ganz anderem Blickwinkel beleuchten. Ihre Darstellung der Freimaurer ist nicht sehr schmeichelhaft, aber selbst wenn wir Adam, Moses und Euklid als Vorzeigebrüder schon längst durch Mozart, Lessing und Goethe ersetzt haben, bleiben doch einige Aussagen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen. Die Geschichte der Gorgomonen ist in ihrer phantasievollen Mischung von historischen Namen und unkontrollierbaren Behauptungen der freimaurerischen durchaus ebenbürtig.


Die elitären Forderungen mögen aus dem damaligen Bildungsstand der durchschnittlichen Bevölkerung verständlich sein, aber ob die Mitglieder aus der Royal Society sehr viel mehr zur Vertiefung eines maurerischen Ethos beigetragen haben, lässt sich aus den historischen Quellen nicht erkennen. Schliesslich waren es akademisch „Gebildete", die die unsinnige Geschichte der Freimaurer aus alten Dokumenten kritiklos übernommen haben.


Die pathetischen Anschuldigungen im PLAIN DEALER aber können nur mit genüsslichem Schmunzeln genossen werden und bringen mich zur Überzeugung, dass es sich um einen geistreichen Scherz und die Selbstironie eines Freimaurers handeln muss, der vermutlich auch die ganze Gormogonen-Geselischaft erfunden hat, um seine Brüder zu grösserer Ernsthaftigkeit zu ermahnen, der von seiner Loge etwas mehr als nur Katechismen und Diskussionen über Verschwiegenheit erwartete und mit einer noch groteskeren geheimnisvollen Geschichte die der Freimaurer karikieren wollte.


Und so hoffe ich, dass alle meine brl, Leser das Folgende mit Interesse, aber auch mit dem heiteren Ernst geniessen werden, der dem Stoff angemessen und dem Gemüt zuträglich ist.

 

Robin P. Marchev

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