Category: Freimaurerei allgemein
Editor: Akademische Druck- u. Verlagsanstalt
Pages: 162
ISBN: 3-201-01331-5
Location: Graz
Year: 1986
N° catalog: E0005
Note: Verschiedenes

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VORWORT DER HERAUSGEBER


MÄNNERBÜNDE, die einem geistigen Prinzip huldigen und geheime Mysterien pflegen, hat es zu allen Zeiten gegeben. Rationalistisches Denken wird immer den Wunsch nach Kultischem, Mystizistischem wachrufen und die Menschen sich in geheimen Kultgemeinschaften finden lassen. Als Mysterienbund geht die Freimaurerei auf frühe Vorläufer zurück.
Diese Wurzel freimaurerischen Gedankengutes bekam im Mittelalter eine Komponente hinzu, und zwar eine entscheidende, nämlich die der Handwerkerzünfte, vor allem die der Steinmetze, von denen zahlreiche Gebräuche symbolhaft übernommen wurden.
Hinzu kam endlich die Aufklärung, in der betont wurde, daß die Vernunft die einzige und letzte Instanz sei, die über Methoden, Wahrheit und Irrtum jeder Erkenntnis entscheidet. Das freie, unabhängige Denken sollte den Menschen auszeichnen, und es waren die großen Dichter und Denker des deutschsprachigen Raumes, die das Gedankengut der Aufklärung über nahmen und für dessen Ausbreitung sorgten, und es waren dann die Freimaurerlogen, in denen sich die freien Geister sammelten.
Dieser geistige Strom aus dem Altertum und seine Begegnung mit den alten Bauhüttentraditionen, im besonderen bewahrt und ausgeprägt durch britische Logen, die sich im Jahre 1717 zur ersten Großloge der freimaurerischen Geschichte zusammenschlossen, endlich sich mit den befreienden Gedanken der Aufklärung verband, hat die unabhängigen Geister und die kühnen Denker, aber ebenso Staatsmänner wie Rebellen, Adelige wie die Angehörigen eines aufgeklärten Bürgertums gleichermaßen angezogen und sich schnell über Europa und dann die ganze Welt ausgebreitet.
Inder zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts begann man im deutschsprachigen Kulturraum die Gedanken eines verständnisvollen Miteinanders aller Menschen, die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit und die Vorstellung einer besseren Welt mit dem Synonym „Freimaurerei“ zu übersetzen.
Es waren vor allem die Dichter und Denker, die sich in Vorträgen, Aufsätzen, Gedichten, Romanen und Theaterstücken mit der Freimaurereibekenntnisschaft auseinandersetzten.
Wir wollen die Freimaurerei im vorliegenden Band nicht mit allgemeiner gehaltenen Gedanken und Ideen schmücken, die einmal aus frei maurerischem Anstoß kamen. Wir haben die gezielte Ansprache gesucht und bei vielen Dichtem und Denkern Deutschlands, Osterreichs und der Schweiz auch gefunden.
Das Ergebnis legen wir vor. Wir haben bekannte Texte zusammen getragen und dabei noch unbekannte entdeckt, und zwar von „Klassikern“ sowohl im kulturhistorischen als auch im freimaurerischen Sinne.
Alle vorliegenden Texte sind zweifelsfrei „freimaurerisch“, auch dann, wenn sie einmal von einem Nicht-Freimaurer stammen. Quellenhinweise und Anmerkungen zur Geschichte der ausgewählten Texte und zur Biographie ihrer Verfasser haben wir den Zitaten beigegeben.
Unsere Auswahl kann keinen Anspruch auf Vollzähligkeit erheben. Wir wollten vielmehr eine bunte Vielfalt freimaurerischer Aussagen zusammentragen und hoffen, daß uns eine lesefreundliche Mischung gelungen ist.


Danken müssen wir

Herrn Professor Alexander Giese, Wien,

dem Direktor des Deutschen Freimaurer-Museums in Bayreuth,

Herrn Herbert Schneider,

und dem Leiter der Hamburger Distriktslogenbibliothek, Herrn Ulrich Mueller-Raschdau, die uns bei der Quellenbeschaffung behilflich waren.

 

Rolf Appel
Jens Oberheide

 

Juni1986

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