Die templerische und okkultistische Freimaurerei im 18. und 19. Jahrhundert - 2
Zweites Buch - Die Wohltätigen Ritter der Heiligen Stadt
- Category: Freimaurerei allgemein
- Author: René Le Forestier
- Editor: Werner Kristkeitz Verlag
- Pages: 384
- ISBN: 3-921508-27-4
- Location: Leimen
- Year: 1970
- N° catalog: E0072
Hits: 0
Lent status: Available
Review
Titel der Originalausgabe: "La Franc-Maçonnerie templière et occultiste aux XVIIIe et XIXe siècles", 1970 by Éditions Aubier-Montaigne, Paris
Geleitwort
Mit dem Erscheinen des zweiten Bandes wird den Gestalten der von Le Forestier dargestellten Freimaurer-Freske neue Kraft und Stärke verliehen.
Die Versuche zur Regenerierung der verschiedenen Systeme werden zur Begründung neuer Rituale führen, das ewig Menschliche wird je doch stets die Oberhand behalten.
Wenn der Mensch des Verlangens nämlich unaufhörlich nach einer Vereinigung seiner mystischen Triebe strebt, wird er nie dem Herden trieb widerstehen können, der ihn dazu bewegt, andere Menschen auf den von ihm gewählten Weg zu führen.
Es ist die unabänderliche Gesetzmäßigkeit von Aktion und Reaktion. - Die jede Art der Promiskuität ablehnende Einheit wird sich nicht mit der für die Erarbeitung einer Ritualkonstruktion unerläßlichen Kompromißbereitschaft abfinden können.
Die Tempellegende ist ein Beispiel dafür. Bisweilen beschwert, bis weilen geläutert durch alles Bestreben zur Wiedererringung der verschiedenen Systeme, wird sie als Opfer dargebracht auf dem Schlachtfeld von Wilhelmsbad.
Ardet ut vivat — aus ihrer Asche werden die wohltätigen Ritter der Heiligen Stadt wiedererstehen, jenes mystische Tempe an dessen Änderung uns heutzutage die Achtung vor der Tradition oder der Mangel an Vorstellungskraft hindert.
Die meisterliche Synthese Le Forestiers gibt uns jedoch einen wesentlichen Denkanstoß.
Die traditionalistischen, okkultistischen, templerischen oder mystischen Freimaurer-Kreationen hatten das Verdienst zu bestätigen, daß der wissenschaftliche Rationalismus allein nicht die Verantwortung für den Fortschritt tragen kann. Nichts Dauerhaftes kann ohne die Anerkennung des Ubernatürlichen erreicht werden. Die Erhebung eines Gebetes oder die mystischen Operationen der Auserwählten Coens — sind sie nicht Ausdruck ein und desselben Archetypus? Und handelt es sich dabei um unterschiedliche Kommunikations- oder unterschiedliche Identifikationsebenen?
Wir würden in unserer neuzeitlichen Ausdrucksweise sagen, daß die »vertikale Kodifizierung« der verschiedenen Ebenen eines jeden frei maurerischen Systems eine Hierarchisierung im Gegensatz zu einer Valorisierung der möglichen Verbindungen zum Ubernatürlichen anstrebt. Wohlgemerkt wird jedoch nie eine Identifikation des "Suchen den" mit dem Höchsten Wesen angestrebt, auch nicht auf einer höheren Einweihungsebene. Es handelt sich vielmehr um eine kreisförmige Abstufung, die in den Katechismen der höchsten Grade durch die Wie der Aufnahme der geläuterten Lehrlingswerkzeuge symbolisiert wird.
Das moderne Freimaurertum als undogmatische Annäherung an das Absolute zwingt uns zu einer Art Wiedergeburt, um uns aus unserer geistigen Starre zu erwecken. Je nach Wesensart mag es pädagogisches Werkzeug, Kommunikationsinstrument oder ein einfacher Klub sein. In jedem Falle sind wir jedoch g uns selbst verpflichtet, seine Vergangenheit zu verstehen.
Dr. A. Durocher
G.L.L.d.Fr.v.D.




